Die neue EN 388:2016: Ein Überblick & Neuerungen


Die EN 388 wurde erstmals im Jahre 1994 veröffentlicht und legt seitdem Anforderungen und Prüfverfahren für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken fest. Daneben werden auch die entsprechende Kennzeichnung sowie die in der Informationsbroschüre mitzuliefernden Herstellerinformationen bestimmt. Im Laufe der Jahre wurde die erste Ausgabe dieser Norm, EN 388:1994, kontinuierlich überarbeitet und an aktuelle Begebenheiten angepasst.

Die derzeit neueste Fassung EN 388:2016 wurde im Januar 2017 ausgegeben und bringt im Hinblick auf die vorangegangene Fassung EN 388:2003 einige Neuerungen mit, die viele relevante Aspekte für die Praxis betreffen. Zu den wichtigsten Änderungen gehören die Überarbeitung der Prüfverfahren zur Abriebfestigkeit sowie zur Schnittfestigkeit und eine ergänzende Stoßprüfung.

Die vier Prüfparameter Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißkraft und Durchstichkraft sind nach wie vor die zentralen Prüfungen. Mit der neuen Version kommen nun zwei weitere Prüfungen hinzu: Schnittfestigkeit gemäß EN ISO 13997:1999 und die Stoßprüfung gemäß EN 13594:2015. Erstere muss unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden, welche im weiteren Verlauf erläutert werden. Letztere ist zwar optional, muss jedoch ebenfalls durchgeführt werden, wenn ein Schutz gegen Stöße angegeben werden soll.

Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken müssen für mindestens einen der oben genannten Prüfparameter (außer Stoßprüfung) die Leistungsstufe 1 bzw. A erzielen, damit diese mit dem Piktogramm für mechanische Risiken gekennzeichnet werden dürfen.


Abriebfestigkeit
Im Rahmen der EN 388:2003 wird das für die Prüfung zu benutzende Abriebmittel lediglich technisch spezifiziert. So haben in der Vergangenheit verschiedene Hersteller dieses Abriebmittel, entsprechend der vorliegenden Spezifikationen, hergestellt und Prüfinstitute konnten frei zwischen den Herstellern wählen. Damit ergaben sich jedoch zwei kritische Probleme: Zum einen lagen grundsätzlich Materialunterschiede zwischen den verschiedenen Hersteller vor. Zum anderen traten selbst bei unterschiedlichen Chargen eines Herstellers Qualitätsabweichungen auf, weil eine einheitliche Fertigung des Abriebmittels nicht gewährleistet werden konnte. Beide Aspekte führten somit zu teilweise erheblichen Abweichungen in den Prüfergebnissen, da die ermittelten Leistungsstufen von dem gerade verwendeten Abriebmittel abhängig waren. Dies hatte zur Folge, dass die Ergebnisse nicht bzw. kaum vergleichbar und reproduzierbar waren.

Aus diesen Gründen wird mit der EN 388:2016 ein neu zu verwendendes Abriebmittel detailliert spezifiziert und eine klare Empfehlung für die Nutzung des Abriebmittels Klingspor PL31B K 180 ausgesprochen. Der Hersteller gewährleistet hier auch eine stetig gleichbleibende Fertigungsqualität. Damit wird ein klares Ziel verfolgt: Das Prüfverfahren soll verbindlicher und einheitlicher gestaltet werden, um die erzielten Prüfergebnisse vergleichbar und reproduzierbar zu machen.

Die oben erwähnte Problematik ist bereits seit Jahren bekannt. Da die Auswirkungen dieser möglichst geringgehalten werden sollten, existiert bereits seit 2012 die Empfehlung für Prüfinstitute, das Abriebmittel gemäß EN 388:2016 zu benutzen. Prinzipiell können Prüfinstitute jedoch nach wie vor Abriebmittel anderer Hersteller nutzen, sofern diese den Anforderungen der EN 388:2016 gerecht werden.


Schnittfestigkeit
Gemäß EN 388:2003 wird die Schnittfestigkeitsprüfung mittels des sogenannten Coupe-Tests durchgeführt. Hierbei wird eine runde und rotierende Klinge mit gleichbleibendem Druck über das Prüfmuster geführt, bis dieses durchgeschnitten wird. Anhand der so ermittelten Werte kann im Anschluss ein Index errechnet werden, der einer definierten Leistungsstufe von 1-5 entspricht.
Beim Coupe-Test mangelt jedoch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse im hohen Schnittschutzbereich (speziell Leistungsklasse 5). Dieses Problem hat sich aufgrund stetiger Fortschritte in der Entwicklung innovativer Materialien besonders in den letzten Jahren verstärkt.

Auf diese Problematik wird nun, im Rahmen der EN 388:2016, reagiert und die Schnittfestigkeitsprüfung gemäß EN ISO 13997 (TDM-Test) ergänzt. Bei dieser Prüfung wird eine gerade Klinge mit einem bestimmten Druck über das Prüfmuster gezogen, bis dieses durchgeschnitten ist. Der ausgeübte Druck steigt mit jedem Schnitt in festgelegten Stufen in einem Bereich von 2 bis 30 Newton an. Der höchste, gemäß Vorgaben, erzielte Wert in Newton dient dann als Grundlage für die Einteilung in die Leistungsstufen A-F. Der neue TDM-Test stellt deutlich höhere Anforderungen an Schnittschutzhandschuhe und zielt darauf ab, bessere Vergleichswerte im hohen Schnittschutzbereich zu liefern und feinere Abstufungen im gesamten Leistungsspektrum zu ermöglichen.

Der TDM-Test ist prinzipiell bei Schutzhandschuhen durchzuführen, die eine Abstumpfung der Klinge im Rahmen des Coupe-Tests bewirken. Dies tritt in der Regel ab Leistungsstufe 3 auf. Des Weiteren kann statt des Coupe-Tests direkt mit dem TDM-Test begonnen werden, wenn zu erwarten ist, dass eine Abstumpfung der Klinge erfolgt. Allgemein ist jedoch zu beachten, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen beiden Testverfahren gibt. Das bedeutet, dass ein Schnittschutzhandschuh mit Leistungsstufe 5 (Coupe-Test) nicht automatisch eine hohe Leistungsstufe beim TDM-Test erzielt.


Stoßprüfung
Die Stoßprüfung wurde im Rahmen der EN 388:2016 neu aufgenommen und zielt auf die Prüfung von Schutzhandschuhen ab, die mit Schutzprotektoren ausgerüstet (Handrücken, Handinnenfläche, Knöchel etc.) sind. Damit diese Prüfung bestanden wird, sind Prüfungen gemäß EN 13594:2015 durchzuführen und somit Anforderungen zu erfüllen, die denen von Schutzhandschuhen für Motorradfahrer entsprechen. Die Stoßprüfung ist grundsätzlich freiwillig. Wenn jedoch ein Schutz gegen Stöße ausgelobt wird, ist den Anforderungen gemäß Norm zu entsprechen. Bei bestandener Prüfung wird der Schutzhandschuh mit dem Buchstaben P gekennzeichnet.


Markierung
Die bereits bestehende Markierung von Schutzhandschuhen gegen mechanische Risiken bleibt bei der EN 388:2016 erhalten. Es kommen lediglich die zwei neuen Prüfungen (TDM-Test und Stoßprüfung) hinzu. Wie bereits oben erwähnt, werden beide Tests – sofern bestanden – mit Buchstaben gekennzeichnet. So ergeben sich beispielhaft folgende Markierungen für Schutzhandschuhe, die nach der neuen Norm EN 388:2016 geprüft und zertifiziert werden:

EN 388 neu
Beispiel 1: 4131X

Abriebfestigkeit: 4
Schnittfestigkeit (Coupe-Test): 1
Weiterreißkraft: 3
Durchstichkraft: 1
Schnittfestigkeit (TDM-Test): X (nicht durchgeführt/erforderlich, da Coupe-Test 1)


Beispiel 2: 4343CP

Abriebfestigkeit: 4
Schnittfestigkeit (Coupe-Test): 3
Weiterreißkraft: 4
Durchstichkraft: 3
Schnittfestigkeit (TDM-Test): C (durchgeführt/erforderlich, da Coupe-Test 3)
Schutz gegen Stoß: P (bestanden/vorhanden)


Beispiel 3: 3X43D

Abriebfestigkeit: 3
Schnittfestigkeit (Coupe-Test): X (nicht durchgeführt/erforderlich, da mit Abstumpfung der Klinge zu rechnen ist)
Weiterreißkraft: 4
Durchstichkraft: 3
Schnittfestigkeit (TDM-Test): D (durchgeführt/erforderlich, da Coupe-Test nicht durchgeführt wurde)